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Wie wird man Jäger?

Jagdschein == Jäger?

Eine verbreitete Vorstellung ist es, dass man einfach einen Jagdschein „macht“, sich anschließend eine Waffe kauft und dann das Recht hat, im Wald Tiere zu erlegen und seine Beute anschließend mit nach Hause zu nehmen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Der Weg zum ersten erlegten Stück Wild umfasst mehrere Phasen, die hier in der üblichen zeitlichen Abfolge dargestellt sind.

Der Vorbereitungskurs für die Jägerprüfung

Je nach Bundesland (Jagdrecht ist in großenteils Ländersache) muss vor der Jägerprüfung ein Vorbereitungskurs besucht werden. Er wird meist von den örtlichen Jägerschaften oder auch kommerziellen Anbietern veranstaltet.

Kurse der Jägerschaften dauern oft mehrere Monate mit mehreren Unterrichts- und Praxisterminen pro Woche. Schneller, aber nicht unbedingt besser, sind Kompaktkurse. Hier kann man in zwei oder drei Wochen auf die Jägerprüfung vorbereitet werden. Die knappe Zeit reicht zwar meist zum Bestehen der Prüfung, wer die Jagd wirklich kennenlernen möchte ist mit einem längeren Kurs besser bedient, der außerdem oft erheblich preisgünstiger ist, da große Teile der Ausbildung in den Jägerschaften ehrenamtlich durchgeführt werden.

Parallel zum Pflichtprogramm werden dort auch freiwillige Zusatzangebote wie Jagdteilnahmen (als Treiber), Exkursionen, ein Fallenlehrgang, Kurzwaffenseminare oder z.B. der Motorsägenschein angeboten.

Die Jägerprüfung

Auf den Vorbereitungskurs folgt die Jägerprüfung. Sie besteht aus schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfungsteilen in verschiedenen Fächern wie dem jagdlichen Schießen, Waffenhandhabung, Wildtierkunde, Jagd- und Waffenrecht, Wildbret-Hygiene und Wildkrankheiten, Naturschutz, dem Erkennen sicherheitsrelevanter Jagdhornsignale etc. Sich ohne Kurs der umfangreiche Jägerprüfung zu stellen ist (sofern im jeweiligen Bundesland überhaupt zulässig) nur in sehr wenigen Ausnahmefällen Erfolg versprechend. Das Mindestalter für die Jägerprüfung beträgt 15 Jahre.

Das Prüfungszeugnis

Nach bestandener Jägerprüfung wird dem angehenden Jäger ein Zeugnis ausgestellt, mit welchem er seine jagdliche Fachkenntnis nachweisen kann.

Der Jagdschein

Mit dem Prüfungszeugnis beantragt der Bewerber bei seiner zuständigen Behörde einen Jagdschein. In diesem Zusammenhang erfolgt eine Überprüfung auf Vorstrafen (Führungszeugnis) und die Behörde überzeugt sich davon, dass der Bewerber zuverlässig sowie körperlich und geistig zur Ausübung der Jagd und dem Umgang mit Jagdwaffen geeignet ist.

Zusätzlich muss der angehende Jäger für die Dauer der Gültigkeit des Jagdscheins eine Jagdhaftpflichtversicherung nachweisen können. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Bewerber für ein bzw. drei Jahre einen so genannten Jahresjagdschein lösen.

Das Mindestalter für den (Jugend-) Jagdschein ist 16 Jahre. Jagdscheininhaber unter 18 Jahren unterliegen bestimmten Beschränkungen, z. B. dürfen sie nur in Begleitung jagen, nicht als Schütze an Gesellschaftsjagden (z. B. Treibjagden) teilnehmen und unterliegen waffenrechtlichen Einschränkungen.

Die Waffenbesitzkarte

Der Jagdschein selbst reicht aus, damit sich ein volljähriger Jäger Langwaffen (Gewehre) zur Jagdausübung ausleihen kann. Mit seinem Jagdschein darf er ferner Munition für Langwaffen kaufen und besitzen. Wenn er eine eigene Langwaffe erwerben oder eine Kurzwaffe (Revolver, Pistole) leihen oder kaufen möchte, muss er dafür eine Waffenbesitzkarte (WBK) beantragen.

Waffenbesitzkarten werden aufgrund eines so genannten Bedürfnisses erteilt, also wenn der Gesetzgeber davon ausgehen kann, dass der Antragsteller eine Schusswaffe tatsächlich „braucht“. Ein Jahresjagdschein reicht dabei als Bedürfnis für eine unbestimmte Anzahl von Langwaffen sowie zwei Kurzwaffen aus. Alle erworbenen Waffen müssen bei der Behörde registriert und in die Waffenbesitzkarte eingetragen werden.

Zu beachten ist, dass der Waffenerwerb und -besitz bei minderjährigen Jagdscheininhabern eingeschränkt ist.

Die Jagderlaubnis

Wild ist in Deutschland „herrenlos“, aber nur wer das Recht zur Jagdausübung hat, darf sich dieses herrenlose Wild tatsächlich „aneignen“.

Das Jagdrecht ist dabei an den jeweiligen Grundbesitz gekoppelt. Dennoch darf nicht jeder Jagdscheininhaber auf seinem eigenen Grundstück jagen, sondern nur wer eine zusammenhängende Fläche einer bestimmten Mindestgröße (z. B. 75 Hektar) besitzt, hat mit einer so genannten Eigenjagd das Recht zur Jagdausübung.

Kleinere Flächen werden zu Jagdgenossenschaften zusammengefasst und dann gemeinsam verwaltet. Der Inhaber des Jagdrechts muss dieses aber nicht unbedingt selbst ausüben, sondern kann seine Jagd auch verpachten.
Der Pächter darf dann weiteren Personen die Jagd gestatten, indem er sie zur Jagd einlädt oder eine begrenzet Anzahl „Begehungsscheine“ ausstellt.

Als Jagdscheininhaber tatsächlich jagen darf also nur:
· wer selbst eine Eigenjagd besitzt
· eine Jagd gepachtet hat
· einen Begehungsschein besitzt oder
· zur Jagd eingeladen wird


Das erlegte Wild steht dabei dem Jagdausübungsberechtigten (Pächter bzw. Grundeigentümer bei unverpachteten Eigenjagden) zu, nicht dem Erleger. Dieser muss das Wild ggf. kaufen, wenn er es selbst verwerten möchte.

Pflichten

Das Recht zur Jagd ist auch mit Pflichten verbunden. Der Pächter einer Jagd ist zur Hege des Wildes verpflichtet, also zur Unterstützung des Wildes beispielsweise in Notzeiten.

Wild kann in der Land- und Forstwirtschaft mitunter erhebliche Schäden verursachen. Der Grundeigentümer ist daher gesetzlich verpflichtet, z. B. einem Landwirt, der von ihm ein Feld gepachtet hat, den Schaden zu ersetzen, den beispielsweise Wildschweine dort angerichtet haben. Oft wird jedoch mit dem Jagdpachtvertrag dem Jagdpächter diese Wildschadensersatzpflicht übertragen, da man davon ausgeht, dass der Jagdpächter durch entsprechende Bejagung den Wildschaden verhindern oder zumindest vermindern kann. Für einige Wildarten gibt es behördliche Abschusspläne, die der Jagdpächter einerseits nicht über-, andererseits aber auch nicht unterschreiten darf. Kommt der Pächter seiner Abschusspflicht nicht nach, kann die Behörde im Extremfall einen Berufsjäger beauftragen, der dann kostenpflichtig die vorgegebenen Abschüsse vornimmt.

Weitere Pflichten des Jagdausübungsberechtigten bestehen in Bezug auf den sicheren Zustand seiner Reviereinrichtungen (Hochsitze etc.) sowie bei der Durchführung von Jagden mit mehreren Jägern („Gesellschaftsjagden“), wo dem jeweiligen Jagdleiter eine besondere Verantwortung zukommt.

Zu den gesetzlichen Pflichten kommen noch weitere Aufgaben, die Jagdausübungsberechtigte traditionell freiwillig übernehmen. Sie werden z. B. von der Polizei bei Wildunfällen an den Unfallort gerufen, um dort schwerverletztes Wild zu erlösen oder die Tierkörper zu entsorgen.

Ferner gibt es weitere finanzielle Verpflichtungen. Zusätzlich zur Jagdpacht wird vielerorts eine Jagdsteuer erhoben, und Jagdpächter müssen Beiträge zu Berufsgenossenschaften entrichten.

Weiterführendes

Wir hoffen mit dieser kurzen Zusammenfassung ein bisschen Licht ins Dunkle zu bringen. Die Frage "Wie wird man Jäger?" können wir hier nicht komplett für jeden klären. Die folgenden Links sollen Ihnen aber dabei helfen an weiterführende Informationen zu gelangen.